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Vom Missverstandniss der Ahnentafel

Als junge Züchterin und mobile Hundefriseurin komme ich viel rum und führe sehr interessante Gespräche mit den unterschiedlichsten Personen. Mir ist nun in den vergangenen Monaten immer wieder ein ganz besonderes Mißverständnis aufgefallen: “Preis der Ahnentafel” nenne ich es mal; zu dem ich gern Stellung nehmen würde, weil hier wohl noch m.E. dringenst Aufklärungsbedarf besteht.

Viele - vor allem noch recht hundeunerfahrene Menschen - wundern sich, warum im Internet oder auch in Zeitungen z.B. Cockerwelpen für ca. 200 € angeboten werden, während ein VDH-Züchter ca. 800-1000 € verlangt. Oder warum man bei einigen “Züchtern” wählen kann zwischen einem Welpen für 800 € mit und 400 € ohne Papieren. (Was bei einem seriösen VDH-Züchter, der alle Welpen melden muß!!! gar nicht möglich ist.) Oder warum man bei manchen Hundehändlern ja doch Rassewelpen von Züchtern - halt für weniger - kaufen kann. (Wobei kein VDH-Züchter einen Welpen oder gar kompletten Wurf an einen Händler verkaufen darf!!).

Natürlich kommen somit viele Hundeinteressierte zu dem Schluß: Beim Züchter zahle ich eigentlich nur sehr viel Geld für ein Stück Papier! Und da ich ja nur einen lieben Hundie suche, brauche ich das nicht. Letztlich wird dann für kleines Geld ein (oftmals kranker oder verhaltensgestörter) Hund bei einem Händler, Vermehrer oder sogar aus dem Kofferraum eines Autos auf dem Autobahnrastplatz gekauft.

Genau hier möchte ich ansetzen und rate dazu, die VDH-Ahnentafel doch mal als eine Art Qualitätsmangement zu sehen.
Die Ahnentafel sollte aber auf jeden Fall das Logo des VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen e.V.) und der FCI aufweisen. Denn diese Ahnentafeln (keine Register-Papiere) werden nur für Welpen ausgestellt, die unter entsprechender Einhaltung der Zuchtbestimmungen (z.B. Mindestalter der Elterntieren, Berücksichtigung gesundheitlicher Aspekte, Häufigkeit der Belegung) des jeweiligen Vereines (der dem VDH angehören muß) gezüchtet wurden. Natürlich bemüht sich ein verantwortungsvoller Züchter nicht nur darum, knapp die Zuchtbestimmungen und Auflagen zu erfüllen! Daher möchte ich mal in etwa auflisten, was bei uns persönlich so angefallen ist:

- Auswahl und Erwerb einer geeigneten Zuchthündin
- beste, fürsorgliche Aufzucht innerhalb unserer Familie (also auch Impfungen, reg. Entwurmungen, hochwertiges Futter)
- Hundeschule
- Ringtraining
- Mitgliedschaft in einem dem VDH angeschlossenem Verein
- Umbaumaßnahmen (Welpenraum, Welpenhäusle nebst Auslauf, etc.)
- Besichtigung unserer Gegebenheiten durch den Zuchtwart sowie Beantragung eines Zwingernamens
- Besuch von mehreren Ausstellungen (u.a. zur Feststellung der Zuchttauglichkeit und Begutachtung von pot. Deckrüden)
- HD-Röntgen, Augenuntersuchung durch DOK-Arzt .
- Auswahl eines passenden Deckrüden / Decktaxe (nebst mehrfacher Fahrtkosten, da der Rüde meist weiter weg lebt)
- Vor dem Deckackt natürlich noch weitere Untersuchungen (z.B. Abstrich) und Impfungen durch den Tierarzt
- Ultraschall-Untersuchung (ggf. Röntgen) und spezielle Medikamente während der Trächtigkeit
- Spezielles Futter (z.B. Welpenmilch) für trächtige Hündinnen, Wurfutensilien (Wurfbox, Medikamente, Einlagen,etc.)
- Hausbesuche des Tierarztes nach der Geburt (Reinigungsspritze) sowie Begutachtung der Welpen
- 24 Std. Betreuung und Aufzucht der Welpen im Hause bis zur Abgabe
- “Werbungskosten” (Anzeigenschaltung, Telefonkosten für die langen Beratungsgespräche mit Interessenten sowie
die Bewirtungskosten, weil wir gern gemütlich & ausgiebig bei Kaffee und Kuchen unsere Welpenleute kennenlernen,
Erstellung einer Internet-Präsenz und mails, um die neuen Familien stets auch mit Fotos auf dem Laufenden zu halten ;-)
- hochwertigstes Welpenfutter, Spielzeuge, Hundezelte, Bällebad, Drybeds, Halsbänder/Leinen, etc.
- Beantragung der Ahnentafeln beim Verein
- regelmäßiges Entwurmen sowie Impfen und Chippen (Tierarzt-Hausbesuch)
- Wurfabnahme durch den Zuchtwart
- Erstellung einer informativen Welpenmappe nebst Foto-CD und Welpenpaketes (Futter, Kauartikel, Pflegeutensilien)

Diese Auflistung ist extra etwas “klinisch und knapp” verfaßt, denn die Unmengen von Liebe und Zeit, Sorgen und Nöten eines Züchters, der Schlafmangel, die Bemühungen für die beste Prägung und Sozialisierung und Vorbereitung auf die neuen Heime sind einfach unbezahlbar. Natürlich steht ein guter Züchter auch nach Abholung - oder gerade ab da - beratend zur Seite und viele Züchter bieten auch kostenloses Trimmen im 1. Lebensjahr an.

Und auch, wenn ich jetzt nicht extra die einzelnen Kosten aufgeführt habe, wird doch ganz schnell klar, dass es schier unmöglich ist, einen Welpen für ca. 200 € abzugeben. Es sei denn, man “spart” irgendwo, doch wo würden Sie sich “wünschen”, dass bei den Eltern, deren Gesundheit, der Deckplanung, Geburt, Aufzucht und Gesundheit Ihres Welpen gespart wird?

Man sollte sich auch vor Augen führen, dass alle VDH-Züchter sich aus freien Stücken dazu entschließen, sich diesen z.T. strengen Zuchtbestimmungen zu unterwerfen. Einfach, weil Ihnen die Verantwortung, die mit Ihrer Liebhahberzucht einher geht, bewußt ist.

Daher schauen Sie sich genau bei Welpenanbietern um, fragen Sie nach den Elterntieren, der Zuchttauglichkeit, etc.. Kaufen Sie in Ihrem und im Interesse des Hundes selbst nicht aus Mitleid auf einem Bauernhof oder bei einem Händler/Vermehrer, wo die Welpen verschiedenster Rassen ab der ca. 4. Lebenswoche in kleinen mit Stroh ausgelegten, gemauerten Boxen leben müssen. Für jeden verkauften Welpen kommen zwei neue.

Vielleicht können Sie jetzt eher nachvollziehen, warum eine VDH-Ahnentafel doch ein Stück weit ein “Zertifikat” ist und kein unnötiges Stück Papier.

© Nicole Rhein 2006